Die Stiftung
Sozialer Protestantismus –
seine Tradition und Gegenwartsbedeutung


„Sozialer Protestantismus“ bezeichnet die gesellschaftsprägenden Kräfte in evangelischer Verantwortung, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Lösungen der „sozialen Frage“ aus dem Geist des Protestantismus entwickelt haben. In diesem Sinne haben überzeugte Protestanten wesentlich an der Entwicklung des deutschen Sozialstaates und der Mitbestimmungsrechte für Arbeitnehmer mitgewirkt.

Ethische Grundlagen für die Soziale Marktwirtschaft
Der Soziale Protestantismus hat sich vor allem daran beteiligt, das Ordnungsmodell der Sozialen Marktwirtschaft herauszubilden und weiterzuentwickeln. Auf der Grundlage des biblischen Menschenbildes wurden die Ideen für dieses Modell entwickelt, das die Werte der Freiheit und der Gerechtigkeit in gleicher Weise berücksichtigt.

Die angestrebte Gesellschaftsordnung respektiert die Würde jedes einzelnen Menschen, sorgt durch eine gestaltete Wettbewerbsordnung für effizientes Wirtschaften und ermöglicht durch eine verlässliche Sozialordnung sozialen Frieden. Der Sozialen Marktwirtschaft ist dies in weiten Teilen der Nachkriegszeit gelungen.

Zu den Begründern und Wegbereitern dieses Modells gehören Johann H. Wichern, Friedrich Naumann, religiöse Sozialisten wie Paul Tillich und Eduard Heimann, der erste Sozialpfarrer in Deutschland, Wilhelm Menn, in besonderer Weise Alfred Müller-Armack und die Freiburger Schule um Rudolf Eucken sowie die Begründer der neueren Sozialethik, unter ihnen Klaus von Bismarck, Heinz-Dieter Wendland und Arthur Rich.

100 Jahre sozialethische Bildungsarbeit des Protestantismus
Neben der programmatischen Arbeit steht bis heute gleichberechtigt die sozialpolitische Bildungsarbeit. Pfarrer, Leiter der Männerarbeit, der Arbeitervereine und nicht zuletzt kirchliche Sozialsekretäre und christlich geprägte Gewerkschaftssekretäre benötigen ein solides theologisch-sozialethisches und ökonomisches Wissen. Der Evangelisch-Soziale Kongress und die Kirchlich-Soziale Konferenz haben dies bereits Ende des 19. Jahrhunderts durch jährliche Tagungen und durch Publikationen intensiv vorangetrieben.

Eine neue Qualität der sozialethischen Bildung brachte das Jahr 1904, in dem die Evangelische Kirche in Preußen Gelder speziell für die Seelsorge in Industriegebieten und für soziale Schulungsmaßnahmen bereitgestellt hat. Hieraus erwuchs ab 1907 die regelmäßige Durchführung von sozial-theologischen Schulungskursen in Bethel, ab 1912 in der institutionalisierten Form der Evangelisch-Sozialen Schule Bethel. Von 1922 bis 1933 fand diese Arbeit in der Evangelisch-Sozialen Schule in Berlin-Spandau statt.

Neuaufbruch in Friedewald
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die sozialethische und sozialpolitische Bildungsarbeit einen neuen Aufbruch. In den Landeskirchen und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wurde begonnen, hauptamtliche Organisationsstrukturen auf- und auszubauen und die Mitarbeiterschaft zu professionalisieren. Besondere Bedeutung hatte dabei die Evangelische Sozialakademie Friedewald. 1949 vom Kirchlichen Hilfswerk der EKD, der Inneren Mission und der Evangelischen Männerarbeit aufgebaut und gefördert, wurde sie zur zentralen Sozialbildungsstätte der Evangelischen Kirche.

Aktuelle Herausforderungen
Die Stiftung hat es sich u. a. zur Aufgabe gesetzt, die Tradition der Evangelischen Sozialakademie fortzuführen. In ihrer Arbeit achtet sie darauf, dass die Grundüberzeugungen der Sozialen Marktwirtschaft auch unter den heute veränderten Bedingungen lebendig gehalten werden.

Weiterführende Literatur finden Sie hier.




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In der gegenwärtigen vielschichtigen sozialen Lage ist die Wahrnehmung sozialethischer und gesellschaftspolitischer Verantwortung eine bedrängende Herausforderung. Es gilt, die christlichen Quellen sozialer Verantwortung neu bewusst zu machen, ihre persönliche Prägekraft und ihre gesellschaftliche Relevanz umsichtig zu stärken. Dies geht nicht ohne langfristig angelegte und gesicherte Bildungsarbeit.



So äußern sich D. Horst Hirschler, Landesbischof i. R., Abt zu Loccum und Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland im Editorial der Stiftungsbroschüre, die Sie hier anfordern können.